Marktforschung oder Werbung

Am Telefon kommt es auf den Einzelfall an

Immer wieder wird über das Telefon geführte Marktforschung mit Werbung durcheinander gebracht und der Gesetzgeber macht sich nicht die Mühe, grundsätzlich zu entscheiden, wo die Grenze zwischen Werbung und Marktforschung liegt.
Weshalb ist das so?

Zum einen liegt es meiner Meinung nach an der Tatsache, dass einige Marktforscher sich bei der Gestaltung des Fragebogens nicht genug Mühe geben und deshalb die interviewte Person die Marktforschung als eine Art von Werbung wahrnimmt und zum anderen, (wie oben schon erwähnt) dass der Gesetzgeber sich nicht die Mühe macht, grundsätzlich zu formulieren, was Marktforschung von Werbung unterscheidet.

Es gibt immer wieder Organisationen, die sich bei den potenziellen Kunden mit der Überschrift „Marktforschung“ melden, einige Fragen stellen und dann am Ende doch etwas verkaufen möchten. Ihnen ist auch egal, wie die Person auf die Fragen antwortet, ob der Befragende sich an die Vorgehensweise hält oder nicht. Auf diese Fälle möchte ich gar nicht eingehen.

Mir geht es viel mehr darum, dass auch die Marktforschungsinstitute versuchen sollten, sich deutlicher von der Werbung zu unterscheiden. Es nicht damit getan, wenn man am Anfang des Gespräches mit dem Interviewpartner erwähnt, dass es nicht um ein Verkaufsgespräch geht und man nur die Meinung der Person zu bestimmten Themen erfahren möchte. Es braucht noch mehr als das.

Man sollte sich mehr Mühe bei der Gestaltung der Fragestellungen geben. Wird ein- und derselbe Anbieter in einem Fragebogen immer wieder erwähnt, obwohl es gar nicht unbedingt notwendig ist, langweilt es den Befragten, es hält auf und dieser empfindet den Fragebogen als Werbung. Und ein Richter, der darüber zu entscheiden hat, wird diese ständigen Hinweise auf den Anbieter immer wieder gerne als Indiz für die Werbeabsicht werten.

Viel schlimmer wird ist es, wenn die befragte Person etwas nicht wahrgenommen hat und dennoch weitere Fragen dazu gestellt bekommt, weil man sich bei der Gestaltung des Fragebogens nicht die Arbeit gemacht hat, alle Eventualitäten durchzugehen und die Filter korrekt zu setzen.

Ein weiterer Grund dafür, warum Marktforschung als Werbung empfunden wird, liegt darin, dass einige wenige der befragten Person eine Kontaktaufnahme über “moderne Kommunikationsmittel”, wie z.B. das Telefon, als Belästigung ansehen und sich auf § 7 UWG “Unzumutbare Belästigungen” berufen.. Was man dabei schnell vergisst ist die Tatsache, dass dieses Gesetz sich auf die Werbung bezieht und nicht auf die Marktforschung. Weil aber der Gesetzgeber nicht grundsätzlich zwischen Marktforschung und Werbung differenziert hat, wird immer wieder im Einzelfall entschieden.
Wie soll man also vorgehen, wenn ein Anruf aus Marktforschungszwecken bei einer zufällig ausgewählten Person sehr schnell als Belästigung im Sinne von § 7 UWG gesehen werden kann.

Ich denke schon dass die, meisten Menschen in der Bevölkerung sehr wohl zwischen Marktforschung und Werbung unterscheiden können, aber so wie immer, gibt es auch unter den befragten Personen Menschen, die einiges verwechseln, die Werbung und Marktforschung durcheinander bringen und immer wieder versuchen werden, gegen alle anzugehen, egal wer sie anruft und angeben, belästigt worden zu sein.