Social Media: ZURÜCK in die ZUKUNFT?

Warum das Individuum wieder wichtiger, aber auch angreifbarer wird.

Die derzeitigen Social Media-Portale, Seiten und Communities sind sicherlich sehr nützlich und interessant. Menschen finden sich viel schneller wieder, bleiben in Kontakt und können auch schneller zusammenarbeiten und sind dadurch häufig auch wesentlich effektiver in der Zeitnutzung als früher.

Was aber immer wieder auffällt ist die Tatsache, dass sich durch die sozialen Netzwerke nicht einzelne Teams und Firmen heraus kristallisieren, sondern einzelne Köpfe. Wenn diese Vorreiter sich dann auch zusammenschließen um an einem neuen Projekt zu arbeiten, dann ist das so etwas wie das DreamTeam aus einer Branche. Kein Wunder, dass in dieser Zeit immer wieder neue innovative erfolgreiche Projekte, Firmen und Ideen entstehen, die nach einer kurzen Zeit schon Milliarden wert sind. Es treffen sich erfolgreiche Einzelkämpfer. Aber was ist mit dem Gedanken „Team" im klassischen Sinne?

Früher - viel früher - war es so, dass Menschen nicht von Firmen sprachen sondern von Personen. Es hieß dann, ich habe mir „beim Günni in seinem Fotoladen" die Kamera gekauft, Stefan hat mir die Küche eingebaut und beim Jupp gebe ich immer mein Auto zum Ölwechsel ab. All diese Jupps, Stefans und Hans Jürgens hatten ihren kleinen Laden um die Ecke und beschäftigten einen Jungen aus der Nachbarschaft oder eine junge Dame aus der Verwandtschaft und haben ihnen das Handwerk beigebracht und in der Gesellschaft geholfen.

Dann kam die Zeit als die Einzelpersonen in Vergessenheit gerieten und die Firmen und Marken in Vordergrund standen. Dann hieß es, ich gebe mein Auto bei der "Mercedes-Niederlassung Bonn" ab, Kaufe meine Tee beim "Tee Gschwender" und wenn ich Probleme mit dem Computer habe kommt jemand von "Snogard" vorbei. Einzelne Personen dahinter spielten keine große Rolle mehr. Es ging um das Vertrauen in die Marke und die Firma.

Es scheint mir so, dass die Entwicklung zurück läuft: Auf einmal ist es wieder so, dass man nicht mehr Marken und Firmen als innovativ wahrnimmt, sondern wieder die einzelnen Köpfe dahinter. Und diese findet man ganz schnell im Internet, ob bei Twitter, Facebook oder auf deren eigenem persönlichem Blog. Was sehr positiv ist. Das Zusammenleben bekommt seinen persönlichen Touch zurück.

Aber auch, wenn die neuen Möglichkeiten den Anschein erwecken, dass das Leben sozialer wird, weil man mit jedem in Kontakt treten kann, ihn einzeln anschreiben kann, oder man sich zusammen für große soziale Projekte engagieren kann, darf man nicht vergessen dass die Schwächeren und u.a. die Offliner inzwischen häufig auf der Strecke bleiben und diese deshalb das moderne Leben doch nicht so sozial empfinden wie die Nutznießer. Früher waren auch die etwas Schwächeren in verschiedenen Teams untergebracht und wurden mitgezogen. Dabei wurden immer die Teams und die Marke im gesamten bewertet, das ist Heute ist nicht mehr der Fall. Das Ganze ist gläsern: Überall werden Klarnamen erwartet und veröffentlicht, einzelne Menschen mit etwas weniger Selbstbewusstsein trauen sich nichts mehr, aus Angst etwas falsch zu machen.

Nur die Personen mit hoher sozialer Kompetenz werden wahrgenommen. Für die Anderen scheint es fast keinen Platz mehr zu geben. Man braucht nur etwas falsch zu machen - schon wird man in verschiedenen Netzwerken an den Pranger gestellt.

Für viele sind nur die Menschen existent die auch online wiederzufinden sind, ist das richtig?

Es gibt doch so viel Offline-Potenzial, außerhalb derer, die ihre Ideen, aus welchen Gründen auch immer, online veröffentlichen.

Ein ähnliches Phänomen kann man beobachten, wenn bestimmte Positionen für Absolventen ausgeschrieben werden. Die Anforderungen sind sehr hoch.

  • Master
  • Bestnoten
  • Auslandssemester
  • Erfahrungen
  • Praktika
  • und am besten noch unter 25

Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Gesellschaft sich in diese Richtung entwickelt.

Aber heute zählt mehr die soziale Kompetenz der Personen, und nicht allein das Wissen.

Es wäre schön, wenn auch die Starken, ob Firmen oder Einzelpersonen einfach ihre Stärke auch dazu nutzen den "Mittelmäßigen" die Chance zu geben, sich zu beweisen. Sonst werden wir in Zukunft viele Probleme bekommen. Dann gibt es nur noch die "Senkrechtstartet" und die "Liegenbleiber"!

Jeder Überflieger hinter den großen Marken und Firmen kann sich dafür einsetzen.